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Symposium
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Philanthropie: Eine neue Generation der Geber:innen?

Was kann das Konzept der Philanthropie für Fragen sozialer Gerechtigkeit leisten? Im Rahmen des period. Symposiums, das thematisch von UNICEF Österreich angestoßen wurde, gingen wir der Frage nach, welche Potenziale das Konzept der Philanthropie für das 21. Jahrhundert hält.

Was motiviert Menschen dazu, sich für andere einzusetzen? Und wie sieht die “Next Generation” der Philanthrop:innen aus? Philosophische, wissenschaftliche, ökonomische und ganz praktische Fragen standen im Zentrum des Symposiums, die in kleiner informeller Runde tiefgehend diskutiert wurden. Partizipation als innovativer Aspekt philanthropischen Handelns - etwa durch aktive Teilnahme an Projekten und Projektentwicklung durch Geber:innen oder durch Nehmer:innen - kehrte immer wieder als Thema zurück.

Philanthropie - ein moralisches oder politisches Phänomen?

Im ersten Teil des Symposiums leitete Paulina Sliwa, Professorin für Moralphilosophie und Politische Philosophie an der Universität Wien, eine Diskussion zum Philanthropie-Begriff ein. Der Begriff könne - unter anderem - aus einer moralischen, oder aus einer politischen Perspektive diskutiert werden. Philanthropie definiert sich dabei als das Spenden von Geld oder von Besitz für karitative Zwecke. 

Als moralisches Phänomen ist die Philanthropie etwas Gutes und Lobenswertes: Es ist unsere moralische Pflicht, zu geben. Als politisches Phänomen betrachtet stellt sich die Frage, welche demokratiepolitische Rolle Philanthropie spielt. Inwiefern erfolgt politische Machtausübung durch Großspender:innen und sollen philanthropische Handlungen steuerlich gefördert werden?

Die nächste Generation der Philanthrop:innen

Anna Wilhelm-Strenn, Leitung des Philantrophie und Partnerships Team bei UNICEF Österreich, stellte im Rahmen des Symposiums das Konzept der “UNICEF NextGen” vor. Als innovativer Ansatz im Kontext der Philanthropie entwickeln jungen Unternehmer:innen und Innovator:innen gemeinsam neue Konzepte und Ideen. Eingebettet in ein globales Netzwerk arbeiten die Mitglieder an neuen Formen der Philanthropie und wirken als Multiplikator:innen und Mitgestalter:innen. 

Spannend ist dieses Konzept vor allem in Hinblick auf die partizipativen Möglichkeiten, die geschaffen werden.

Wie Vermögen in Österreich verteilt ist

Wenn man über Philanthropie im 21. Jahrhundert spricht, dann sollte man einen Blick auf die Vermögensverteilung innerhalb der Gesellschaft werfen. Diese Aufgabe übernahm Katharina Mader: Die Ökonomin der Arbeiterkammer Wien gab einen Einblick in die wichtigsten Fakten zu diesem Thema. Das ist jedoch gar nicht so einfach: Weil es keine Vermögenssteuern gibt, ist es nicht möglich, die entsprechenden Daten zu erheben. Es gibt nur Befragungsdaten, die nicht unbedingt repräsentativ sind: Die Teilnahme ist freiwillig, sehr reiche Personen nehmen daran kaum teil. 

Trotzdem ergeben die vorhandenen Daten ein ungefähres Bild: Den obersten 10% gehören wahrscheinlich um die 75% des Vermögens in Österreichs, wobei es einen sehr großen Gender-Pay-Gap gibt. Die vermögendsten Personen sind fast ausschließlich Männer. Dass die Datenlage um das Vermögen mangelhaft ist, stellt in vielerlei Hinsicht ein großes Problem dar; eine Vermögenssteuer würde dieses - und viele weitere Probleme - lösen. 

Social Entrepreneurship als Teil von oder Alternative zu Philanthropie?

Three Coins ist ein Sozialunternehmen, das Finanzbildungsprojekte entwickelt und umsetzt. CEO Goran Maric sprach über die Zielsetzungen des Unternehmens und den langfristigen Impact, der mit den von Three Coins entwickelten Produkten erreicht werden soll. Finanzbildung sei einer der Schlüssel im selbstbestimmten Umgang mit Geld, schütze vor Überschuldung und ermögliche finanziell nachhaltigere Entscheidungen. 

Der Unternehmer diskutierte die gesellschaftliche Rolle von Social Entrepreneurship und stellte die Frage in den Raum, ob Investments in vergleichbare Unternehmen zeitgemäßer und effektiver wären als klassische Ansätze der Philanthropie. Darum entspannte sich eine Diskussion darüber, ob Impact Investments und Social Entrepreneurship als Teil einer neuen Form der Philanthropie gesehen werden können, oder ob sich diese Konzepte widersprechen.

Campaigning for Change

Wie bringt man Menschen dazu, zu spenden oder sich für ein Thema stark zu machen? Was motiviert Menschen, sich für Veränderung einzusetzen? Wir fragten bei der Community Building und Campaigning Expertin Hannah Zach nach: Die Co-Gründerin der Frauendomäne und erfahrene Kampagnen-Managerin gab einen Einblick in die grundlegenden Eckpfeiler gelungener Kampagnen. Die große Frage jeder Initiative sei: Was ist die Geschichte dahinter?

Ebenso essentiell sei ein funktionierendes Netzwerk an Multiplikator:innen, Testimonials und Influencer:innen sowie eine entsprechende Infrastruktur für eine erfolgreiche Kampagne.

Philanthropie, neu gedacht?

UNICEF Österreich hat sich zur Aufgabe gemacht, die Kultur des Gebens in Österreich weiterzuentwickeln: Unterschiedliche Impulse von Expert:innen lieferten die Grundlage für eine vielschichtige, faktenbasierte Diskussion. Mit einer neuen Generation von Philanthrop:innen werden neue Ansätze definitiv wichtiger: Wünsche und Bedürfnisse über die Wirkungsweise der eigenen Spenden verändern sich; Debatten über Vermögensverteilung in der Gesellschaft sind in jüngeren Generationen informierter.

Fotocredits: Eylül Aslan

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