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Warum wir eine Mental Health Culture brauchen

Stell dir vor du brennst und niemand kommt dir zu Hilfe: Warum wir eine Mental Health Culture brauchen. Ein Beitrag von Andrea König.

Trotz steigender Zahlen von psychischen Erkrankungen wird das Thema mentale Gesundheit noch kaum in Unternehmen thematisiert. Im Gegenteil: F√ľr viele Arbeitgebende ist es noch immer ein Tabu-Thema, weil es mit Schw√§che und einer verringerten Leistungsf√§higkeit gleichgesetzt wird. Doch es ist bereits 5 vor 12: Wir brauchen endlich eine Mental Health Culture!

Laut einer karriere.at Studie gaben 48% der Befragten an, dass die Pandemie ihr berufliches Stresslevel negativ beeinflusst habe. Als psychisch belastend werden Zeit- und Leistungsdruck, Mobbing, st√§ndige Erreichbarkeit & Verf√ľgbarkeit aber auch finanzieller Druck und Angst vor Jobverlust genannt.

Klima- und Wirtschaftskrise, Pandemie, Krieg, Inflation. Viele gro√üe Ereignisse prasseln da gerade auf uns ein. Schon lange war unsere Resilienz nicht so gefordert wie derzeit, denn all diese Themen haben unmittelbare Auswirkungen auf uns selbst. Nicht nur im privaten Umfeld bekommt man diese Krisen durch Familie, Freunde und Bekannte zu sp√ľren. Oft wird das eigene berufliche Umfeld auch dadurch gepr√§gt: Die einen bangen um ihre finanzielle Zukunft, die anderen sp√ľren den stark gestiegenen Leistungsdruck, der kaum zu ertragen ist. Laut einer karriere.at Studie gaben 48% der Befragten an, dass die Pandemie ihr berufliches Stresslevel negativ beeinflusst habe. Als psychisch belastend werden Zeit- und Leistungsdruck, Mobbing, st√§ndige Erreichbarkeit & Verf√ľgbarkeit aber auch finanzieller Druck und Angst vor Jobverlust genannt.

Harte Zeiten f√ľr die mentale Gesundheit

Schon vor der Pandemie wurde der Druck gef√ľhlt von Jahr zu Jahr gr√∂√üer. Durch den Digitalisierungsschub der letzten 2 Jahre wurde dazu auch das Tempo erh√∂ht. H√∂her, schneller und weiter. Doch wie lange kann das noch gutgehen? Laut ILO sterben j√§hrlich 745.000 Menschen weltweit an den Folgen von zu langen Arbeitszeiten. Das √ľbersteigt sogar die Anzahl derer, die an Arbeitsunf√§llen versterben. Burnout ist schon lange kein Modebegriff mehr. Er h√§lt bereits Einzug in viele Unternehmen und verursacht nicht nur lange Krankenst√§nde, sondern, in besonders schweren F√§llen, auch Arbeitsunf√§higkeit, die ein Leben lang anh√§lt ‚Äď bis hin zu Suizid. Arbeiten wir also in einer toxischen Arbeitskultur?¬†

Es fehlt der Sinn in der Tätigkeit

Besonders die letzten beiden Jahre haben uns verdeutlicht, wie wichtig faire Arbeitsbedingungen und eine Arbeitskultur auf Augenh√∂he sind. Jene Branchen und Unternehmen, die dies bis heute nicht erkannt haben, k√§mpfen besonders mit dem Fachkr√§ftemangel. Viele Mitarbeitende in Sozial- und Pflegeberufe, in der Gastronomie und Hotellerie, aber auch medizinisches Personal sehen oft keinen Sinn mehr in ihrer T√§tigkeit, f√ľhlen sich ausgelaugt, ersch√∂pft und geben den Kampf f√ľr faire Entlohnung auf. Ganze Branchen wurden in den letzten Jahren kaputtgespart. Die Auswirkungen sind f√ľr uns alle sp√ľrbar.¬†

Kein Fokus auf mentale Gesundheit

Wirft man einen Blick in die Rechtsprechung, so steht dort gro√ü die F√ľrsorgepflicht von Arbeitgebenden geschrieben. Wie diese jedoch in der Praxis ausgelegt wird, obliegt jedem Unternehmen selbst. So meinen 68% der Befragten, dass Gesundheit in ihrem Unternehmen keineswegs oder kaum ausreichend thematisiert, wird. Zumindest manche setzen bereits auf Betriebliches Gesundheitsmanagement, welches die Gesundheitspr√§vention von Mitarbeitenden im Fokus hat. Workshops, Vortr√§ge und Sportangebote finden sich dort meistens im Repertoire. Der Erhalt der Leistungsf√§higkeit wird Gro√üteils immer noch √ľber physische Gesundheit definiert: Bei 62% der Studienteilnehmer:innen gibt es √ľberhaupt kein Angebot rund um die mentale Gesundheit von Mitarbeitenden.

Hilfe, ich brenne!

Die Mehrheit der Berufst√§tigen f√ľhlt sich derzeit ersch√∂pft. Genau genommen sind es 56,9 %, wie eine aktuelle Umfrage von Auctority in Deutschland zeigt. In der Altersgruppe der 30 bis 40j√§hrigen sind es sogar 73%. Trotz dieser alarmierenden Zahlen gelten psychische Erkrankungen in der Arbeitswelt immer noch als Tabu-Thema. Man sei einfach zu schwach, solle sich nicht so anstellen oder diese stressige Phase einfach durchtauchen. Diese Floskeln helfen niemanden, besonders nicht den betroffenen Personen. Ich habe bereits f√ľr mich festgestellt, dass derzeit zwar sehr viele Ressourcen f√ľr die Gewinnung neuer Talente freigemacht werden. Sobald die Talente dann ins Unternehmen kommen, l√§sst man sie jedoch ausbrennen. Ein Paradoxon unserer Zeit. Dabei w√§re beiden Seiten geholfen auf gesunde, faire und vor allem nachhaltige Arbeitsbedingungen zu setzen sowie das Thema mentale Gesundheit endlich zu Entstigmatisieren.¬†

Lasst uns gemeinsam zu Hilfe kommen!

H√∂her, schneller und weiter war gestern! Eine ausgewogene Mental Health Culture ist heute. Wir d√ľrfen es nicht mehr goutieren, wenn Kolleg:innen bis tief in die Nacht an Projekten arbeiten, weil der Workload einfach zu hoch ist. Es ist nicht erstrebenswert, wenn der Urlaub nicht konsumiert wird, weil es die Arbeit nicht zul√§sst. Noch weniger ist es sinnvoll, Urlaube zum Abarbeiten zu nutzen oder st√§ndig erreichbar zu sein. Ich wei√ü, wir haben es nicht zu 100% selbst in der Hand, weil das Unternehmen als System gewisse Strukturen und kulturelle Auspr√§gungen vorgibt. Doch jede:r von uns kann einen Beitrag leisten, in dem wir auf Missst√§nde aufmerksam machen und offen mit unserer mentalen Gesundheit umgehen.¬†

Stell dir vor du brennst und niemand kommt dir zu Hilfe! Was wir bildlich gesprochen unter keinen Umst√§nden zulassen w√ľrden, geschieht jedoch auf der psychischen Ebene tagt√§glich in unserer Arbeitswelt. Lasst uns doch endlich den Eimer Wasser holen!

Andrea K√∂nig ist Soziologin & Business Coach und hat sich mit ihrem Blog ‚ÄěKarrieregefl√ľster | Dein Trend-Echo aus der neuen Arbeitswelt‚Äú zum Ziel gesetzt, New Work erlebbar zu machen. Seit √ľber 10 Jahren ist sie bereits im Bereich Human Resources im Umfeld eines Gro√ükonzerns t√§tig. Dabei hat sie schon zahlreichen Menschen geholfen, sich in der neuen Arbeitswelt entwickeln und entfalten zu k√∂nnen. Ihren Antrieb holt sie sich aus ihrem Gesp√ľr f√ľr Trends & gesellschaftsrelevanten Themen, sowie ihrer Empathie und Leidenschaft f√ľr die Arbeitswelt der Zukunft. Ihr k√∂nnt ihr auf LinkedIn, Instagram, Facebook oder Twitter folgen.

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